Austausch (Öffentlich)

ginge, Freitag, 11. Dezember 2015, 15:52 (vor 710 Tagen)

Hallo,

ich bin zum ersten Mal hier. Überhaupt zum ersten Mal in irgendeinem Forum. Ich bin gespannt und gestehe es kostet mich viel Mut. Ich habe mich vor 25 Jahren fast gleichzeitig in einen Mann und eine Frau verliebt. Der Mann ist heute noch mein Mann und wir führen im Prinzip eine glückliche Ehe mit Kindern. Tja und dann habe ich letztes Jahr diese Frau nach 14 Jahren wiedergesehen und da erst festgestellt, verdammt ich war damals, ich war immer, ich bin es noch, richtig verliebt,nein mehr, es ist eine tiefe Liebe. Nach der Geburt unseres ersten Kindes hatten wir uns zuletzt gesehen, danach hat sie den Kontakt abgebrochen. Ich wusste nie weshalb, dachte ich bin einfach uninteressant als Mutter...aber im letzten Jahr stellte sich heraus, dass sie mich so sehr geliebt hat, dass sie es nicht aushalten konnte mich zu sehen, aber nicht im Arm halten zu dürfen. Sie hat es mir nie gesagt, wir wussten nicht wirklich voneinander. Nun bin ich zum ersten Mal wieder in die Stadt in der sie lebt gefahren und habe sie kontaktiert. Da war es um uns Beide geschehen. Wir hatten ein unglaublich intensives Jahr, auch wenn wir uns wegen der Entfernung nur alle 4 Wochen sehen konnten. Meinem Mann habe ich es gestanden. Er wollte es begleiten und auch unsere Ehe hat neue Höhen erfahren. Ich merkte plötzlich was es heißt sich ganz zu fühlen.Für mich hätte es trotz Stress und auch Verheimlichung in meinem größeren Freundeskreis so weiter gehen können, ich war unendlich glücklich, aber mein Mann ist daran fast zerbrochen und bat mich um eine Auszeit, die ich meiner Freundin auch versucht habe zu vermitteln. Sie will nun aber auch eine Entscheidung von mir. Beide können letztendlich nicht nachvollziehen, wie ich es schaffen kann Beide zu lieben. Ich würde mich nicht als poliamorös bezeichnen, da ich absolut treue und tiefe Gefühle jeweils empfinde, aber eben dann doch nicht monogam bin, also ist es natürlich irgendwie poliamorös, auch wenn ich mich auf der Seite nicht wiedergefunden habe. Nun habe ich meine Freundin 9 Wochen nicht gesehen. Wir haben Kontakt, aber treffen uns nicht, weil ich auch meine Familie nicht aufgeben möchte. Ich habe Sorge, dass mir, wenn ich mich in die eine oder andere Richtung entscheiden werde die andere Hälfte fehlt. So empfinde ich es zur Zeit und so ist auch meine Beziwhung zu meinem Mann zur Zeit alles andere als glücklich. Letztendlich werde ich mich vermutlich für meine Familie entscheiden, aber mit dem Gefühl ich als ich, die ich bisexeuell empfinde bleibe auf der Strecke.
Gibt es Frauen mit ähnlichen Erfahrungen?
Ich würde mich super über Feedback freuen,
Ginge

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Mora, Dienstag, 15. Dezember 2015, 22:11 (vor 706 Tagen) @ ginge

liebe ginge, ich würde mich sehr gerne mit dir austauschen, allerdings ungern öffentlich. vielleicht kannst du mir deine e-mail-adresse nennen, dann schreibe ich dir.
lg mora

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ginge, Mittwoch, 16. Dezember 2015, 14:33 (vor 705 Tagen) @ Mora

Das ist ja schön das tatsächlich eine Antwort kommt. Nur möchte ich nkcht so gerne meine e-mail öffentlich machen....und jetzt? Liebe Grüße, Ginge

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Tangled, Montag, 21. Dezember 2015, 20:05 (vor 700 Tagen) @ ginge

Liebe Ginge,

ich hatte eine ähnliche Zeit. Beides zu leben geht auf Dauer nicht. Irgendwann eskaliert es immer. Das haben uns doch schon die wilden 68 gelehrt. Ich wünschte mir, wir wären offener und freier, aber wahrscheinlich zerbricht jeder von uns daran....vor lauter Anhaftung....

It's better to burn out then to fade away...

...bei mir ist die Sehnsucht im Laufe der Jahre irgenwie verblasst. Im Grunde genommen gibt es nicht den perfekten Ratschlag und eigentlich bin ich fest davon überzeugt, dass meine Entscheidung für mich die Richtige war ... und wenn nicht, dass ich noch eines Besseren belehrt werde.

Ich empfinde so viel Liebe und das allein das macht mich schon sehr glücklich.

LG
Tangled

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ginge, Dienstag, 22. Dezember 2015, 20:47 (vor 699 Tagen) @ Tangled

Liebe Tangled,

vielleicht hast du recht..mal schauen..Danke für deine Gedanken!

Liebe Grüße und frohe Weihanchten,

Ginge

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Sebastian @, Mittwoch, 06. Januar 2016, 14:33 (vor 684 Tagen) @ ginge

Bin zwar keine Frau, aber der Partner einer bisexuellen Frau.
Und als der sehe ich das Problem ja bei den Akzeptanzkrisen deines Mannes und deiner Freundin...
Warum sollst du dich 'entscheiden'? Es würde mir im Traum nicht einfallen, von meiner Freundin eine solche tiefgreifende Entscheidung zu verlangen... »Ich merkte plötzlich was es heißt, sich ganz zu fühlen.«
Das halte ich doch ganz prinzipiell für eine feine Sache.

Weder sie noch er 'gewinnen' etwas, wenn sie dich zu einer 'Entscheidung' (die anmaßenderweise ja bitte möglichst auch noch in jeweils ihrem Sinne ausfallen möchte) zwingen wollen. Ich bin ja immer zuversichtlich, dass das erwachenen Menschen vermittelbar ist.

Ich wünsche viel Glück (und ein frohes neues...)
S

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ginge, Freitag, 08. Januar 2016, 17:44 (vor 682 Tagen) @ Sebastian

vielen Dank für deine Gedanken, Sebastian! Freut mich gerade auch von einem Mann eine Antwort zu bekommen, auch wenn ich ein Frauenforum gewählt habe. Ich glaube ich habe mir den Druck der Entscheidung auch selber ein Stück weit gemacht, da ich mich eigentlich als sehr monogam und treu kenne und plötzlich durch die neue Situation nach der ersten Phase der Euphorie auch ein Stück aus der Bahn geworfen fühlte. Ich habe ein großes Glück mit meinen beiden Lieben, denn sie wollen mir schon den Raum geben "ich" zu sein, aber es schmerzt natürlich auch. Inzwischen ist sehr viel passiert. Ich glaube was ich als "Bisexualität" benannt habe ist gar keine, ich begehre nämlich meine Freundin. Meinen Mann liebe ich und habe ihn auch immer geliebt, aber das Begehren in der Form in der ich es jetzt erlebe habe ich noch nie erlebt. Was das alles wird weiß ich noch nicht, ich bin noch auf dem Weg, er ist so bunt und glücklich und auch so schwer. Meine Familie bedeutet mir alles und das nicht aus Konvention, aber diese Frau ist meine große Liebe...

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Christina, gießen, Montag, 09. Januar 2017, 18:33 (vor 315 Tagen) @ ginge

Hallo Ginge,

ich bin auch zum ersten Mal hier und habe deine Mail gelesen, es ist zwar schon sehr lange her, aber falls Du diesbezüglich noch den Chat verfolgst, würde ich gerne wissen, wie es Dir aktuell so ergeht. Ich bin nämlich in einer ähnlichen Situation, allerdings ist alles sehr neu für mich. Ich habe über 10 Jahre mit mir gehadert, bis ich in den letzten 5 Jahren den unüberwindbaren Drang verspürte, zu erfahren, wie es ist, eine Frau zu lieben. Ich bin seit über 15 Jahren allerdings auch glücklich verheiratet und wir haben einen kleinen Sohn, daher kann sich jeder vorstellen, dass ich meine Familie absolut schütze. Natürlich weiss auch mein Umfeld nichts von meiner sexuellen Orientierung. Im Oktober habe ich dann glücklicherweise eine Frau in einem Chat kennengelernt und wir haben uns getroffen - seitdem haben wir uns drei mal getroffen und ich bin total verliebt. Kann aber dazu sagen, dass ich meinen Mann genauso liebe. Er weiss übrigens davon, ohne seine Akzeptanz hätte ich es auch nie ausprobiert, dann wäre dies für mich fremdgehen gewesen, sowas hat er absolut nicht verdient.

Ich muss allerdings auch sagen, dass sich seitdem mein Leben, sagen wir mal, auf den Kopf gedreht hat - diese Frau und ich haben täglich kontakt miteinander, wir sind sehr eng miteinander verbunden und ich würde mir wünschen, dass alles so bleibt wie es ist, obwohl ich sie natürlich gerne öfter sehen würde, aber auch die Wünsche und Gefühle meines Mannes respektieren muss. Es ist schön, sehr schön und ich fühle, dass ich angekommen bin. Allerdings ist alles auch anstrengend geworden und ich bin mir nicht sicher, ob ich diesem ganzen Gefühlschaos stand halte und auch wie ich beide Beziehungen dauerhaft erhalten kann.

Daher würde es mich interessieren, wie es Dir ergangen ist und ob Du doch eine Möglichkeit gefunden hast, deine Ehe und deine Beziehung mit deiner Frau halten zu können.

GLG

Christina

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Ginge, Freitag, 10. Februar 2017, 16:21 (vor 283 Tagen) @ Christina

Hallo Christina,

da bin ich glatt nach langer Zeit nochmals auf meinen Eintrag gegangen um zu schauen ob noch einmal jemand geschrieben hat und da habe ich deine Nachricht gelesen. Tja, es hat sich viel und irgendwie auch wenig geändert.
Wir hatten eine Trennung und ich habe gemerkt, dass ich ohne sie einfach am Boden war. Das Gefühl angekommen zu sein war weg, ich war leer und ziemlich freudlos. Ich habe mich in der Zeit auch innerlich von meinem Mann entfernt, wir haben zwar den Alltag gut zusammen bewältigt, aber wir waren nicht wie vorher im Gespräch. Ich habe gemerkt, dass ich, wenn ich die Liebe zu meiner Freundin nicht leben kann übeerhaupt auf dieser Ebene dicht gemacht hatte. In dieses Kuddelmuddel kam dann mein wirkliches coming out vor mir selbst als lesbische und nicht als Bi-frau. Ich bin niemand für eine Doppelbeziehung. Von da an konnte ich einerseits wieder mit meinem Mann im Gespräch sein, für den das natürlich unglaublich hart war und auf der anderen Seite kam ich wieder mit meiner Freundin zusammen, die auch keine Dreierbeziehung wollte. Meine Kinder und meine engen Freunde wissen Bescheid. Irgendwie lebe ich es, wir leben als Familie noch zusammen und in vieler Hinsicht verstehen wir uns toll, denn wir lieben uns, nur von meiner Seite auf einer anderen Ebene. Das ist hart, hart auch, weil ich meine Freundin viel zu wenig sehe und uns eigentlich allen drei auch etwas fehlt. Wie es weiter geht? Ich weiß es nicht. Manchmal denke ich mir, es geht mir so gut und manchmal schmerzt es, weil ich irgendwie auch keine Lösung sehe, weil mir meine Familie so wichtig ist. Ich habe mir auch therapeutische Hilfe geholt um irgendwie diesen Weg auch noch anders zu begleiten.
Ich wünsche dir, dass du für euch eine Lösung bekommst. Bleib im Gespräch mit deinem Mann und deiner Freundin, irgendwie findet sich dann der richtige Weg!

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Christina, Sonntag, 19. März 2017, 22:13 (vor 246 Tagen) @ Ginge

Hallo Ginge,

erstmal danke für Deine Nachricht, ich muss Dir ehrlich hier mal sagen, dass Du sehr mutig bist und ich ziehe den Hut vor Dir, denn die emotionale Kraft, die Du da gerade aufwändest, geht sicherlich an den Rand des erträglichen.

Ich wünsche Dir alles Glück der Welt, damit Du bald genau da ankommst, wo Du hin musst, um glücklich und zufrieden sein zu dürfen. Du machst das ja schon mehr als gut, versuchst, Deiner Familie gereicht zu werden und vor allen Dingen, den ehrlichen Weg zu gehen, denn Du hast es ja Deinem Mann und Deinen Kindern und Deinen engsten Freunden gesagt, dass Du lesbisch bist und dafür klopfe ich Dir hier mal verbal auf die Schultern! Der Preis dafür ist allerdings, dass Du Deine Freundin nicht oft siehst, und davon kann ich ein Lied singen, dass ist bei mir auch so und es schmerzt jeden Tag.

In Bezug auf Outing bin im entferntesten noch nicht soweit... Ich habe oft in letzter Zeit darüber nachgedacht, ob ich mich geoutet hätte, wenn ich keine Familie gehabt hätte und bin zu dem Schluss gekommen, dass es mir wesentlich einfacher gefallen wäre.

Ich hatte letzte Woche eine schwere Krise und hätte am liebsten alles hingeschmissen, weil ich das Gefühl hatte, dass die Ehrlichkeit gegenüber meinem Mann irgendwie zu kurz kommt - allerdings hätte es mir auch das Herz gebrochen. Das Interessante war, dass mich meine Freundin sowie mein Mann unabhängig voneinander wieder aufgebaut haben.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, dass es funktionieren kann, dass es für alle ein Gewinn sein kann, es aber mit Sicherheit nicht einfach werden wird.
Wir werden sehen, was die Zeit bringt - jetzt lasse ich es auch mich zukommen - ich treffe mich alle 4-6 Wochen mit meiner Freundin, wir chatten täglich und mein Mann weiß über die Treffen Bescheid und toleriert es.
Was die Zukunft noch bringt, weiss ich nicht, aber wir werden sehen.

Viel Glück Dir noch weiterhin, ich drücke Dir die Daumen
Liebe Grüße
Christina

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Ginge, Freitag, 21. April 2017, 16:20 (vor 213 Tagen) @ Christina

Liebe Chrsitina,
danke für deine warme Antwort und dein "Schulter klopfen". Das tut gut! Ja, es ist immer wieder schwer. Ich glaube allerdings im Moment wirklich am Schwersten für meine Freundin. Ich und mein Mann, wir haben ja noch ein schönes Familienleben zusammen. Meine Freundin und ich wir hatten gerade eine Woche zusammen und dann ist nachher das Loslassen schwer. Aber ich kenn auch deine Erfahrung, dann komme ich nach Hause und mein Mann baut mich unglaublich auf. Er hat es auch noch sehr schwer, aber was unsere körperliche Beziehung angeht ist er über den Berg. Wir sind liebende, sehr vertraute Partner. Vermutlich haben wir mehr als viele andere Beziehungen, aber natürlich fehlt ihm auch etwas und ich denke, er schaut sich auch ein wenig in der Welt um. Was passieren wird wenn er mal eine Beziehung hat, das weiß ich nicht. Ich muss mir immer wieder sagen, und ich erlebe es ja auch, ich bin sehr bereichert und kann mich glücklich schätzen, aber ich genüge natürlich letztendlich Beiden nicht. Was das bei dir bedeutet und wie du damit umgehst ist glaube ich entscheidend. Es ist nicht wichtig bei wem du dich outest. Ich merke, ich muss es niemandem mehr erzählen, wichtig ist, wie du es mit deinem Mann und deiner Freundin leben kannst und wie du dich fühlst. Es ist verdammt schwer, es schmerzt, aber es ist doch auch so erfüllend! Und ich wünsche dir natürlich, dass du besonders die erfüllenden Momente erlebst undnichts bereuen musst!
Herzlich, Ginge

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